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Andacht zum letzten Sonntag im Kirchenjahr

Erstellt am 19.11.2022

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. Lk. 12,35

Liebe Schwestern und Brüder!

„Vom Warten auf das Kommen Christi“. So ist der Abschnitt aus dem Lukasevangelium überschrieben, aus dem unser Wochenspruch stammt. Es geht also um Aufbruch, um „Bereit sein“. „Wach sein“ an diesem Ewigkeitssonntag, der im Volksmund auch „Totensonntag“ genannt wird, ein Titel, der diesem Sonntag eigentlich nicht gerecht wird. ( Dazu später ) Menschen, die einen Angehörigen verloren haben, machen sich an diesem Tag auf den Weg zu den Friedhöfen der Stadt, um an den Gräbern Kerzen anzuzünden und ihrer Lieben noch einmal zu gedenken. In vielen Kirchen und Friedhofskapellen werden an diesem Sonntag noch einmal die Namen derer verlesen, die in diesem Kirchenjahr gestorben sind. Also eigentlich ein tieftrauriger Tag. Alte Narben reißen wieder auf, Erinnerungen an schöne Tage werden wieder wach. Und vielen wird bewusst, dass da etwas fehlt, dass das Leben nicht mehr so ist, wie es einmal war. Menschen sind nicht einfach zu ersetzen, sie bleiben Originale, die mit ihrem Leben und ihrer Geschichte bleibende Spuren hinterlassen haben. Und das sich in Erinnerung zurückzurufen, tut weh. Da scheinen die Worte unseres heutigen Wochenspruches vom Aufbruch eigentlich gar nicht zu passen. Wer seine Lenden umgürtet sein lässt, der bindet sich die damals langen Röcke, die bis zu den Füssen reichten hoch, um besser laufen zu können. Und da es damals noch kein elektrisches Licht gab, das die Nacht hell machte, musste man immer eine Kerze oder, besser, eine Laterne dabeihaben, um sich nicht in die Irre zu gehen. Als Grund für diesen Apell wird im Lukasevangelium das Kommen des Herrn genannt. „Allzeit bereit“, ist nicht nur das Motto der Pfadfinder, es ist auch eine Grundhaltung von uns Christen. Weil keiner weiß, wann der Herr wiederkommt, ist es wichtig, zu jeder Zeit darauf vorbereitet zu sein. Er kommt wie ein Dieb in der Nacht, heißt es an anderer Stelle. Interessant an diesem Gedanken ist, dass die Christenheit, zu keiner Zeit die Erwartung aufgegeben hat, dass Jesus, wie versprochen, wiederkommt. Und wenn es auch noch so lange dauert, er kommt wahrhaftig wieder. Zur Zeit der Urchristen haben viele alles verkauft, was sie hatten und haben sich, nur mit einem Bettlaken bekleidet auf einen Berg gestellt und gewartet. Und immer wieder hat es dies bezügliche Berechnungen gegeben, die sich hauptsächlich an bestimmten Katastrophen festmachten. Auch der zur Zeit geführte Krieg in Europa ist für einige so ein Meilenstein, der die Wiederkunft Christi ankündigt. Gut, lassen wir das einmal. Für mich ist viel wichtiger, dass aus dieser Verkündigung heraussticht, dass nicht der Tod und das Verderben am Ende unseres Lebens steht. Unser Leben spielt sich nicht zwischen den Eckpunkten „geboren werden“ und „sterben“ ab, sondern zwischen den Eckpunkten des Kommens Christi in unsere Welt und seiner Wiederkehr. Der Tod ist auf diesem Weg nur eine Station. Wir bleiben unter dieser Vorgabe immer mit unseren Verstorbenen verbunden. In der Ewigkeit Gottes werden wir alle wieder miteinander vereint sein, so hat es Christus versprochen. Und darum ist dieser Sonntag für mich nicht „Totensonntag“, sondern „Ewigkeitssonntag“. Diese Perspektive kann uns auch in schweren Stunden des Abschiednehmens Mut machen, nach vorne zu sehen in eine gemeinsame Zukunft, die durch das Wort Christi geprägt ist. Darum: Bereit sein zum Aufbruch, nicht den Kopf hängen lassen, voller Spannung auf das Warten, was Gott für uns bereithält. Ewigkeitssonntag ist kein todtrauriger Tag, an dem es darum geht, dem hinterher zu weinen, was nicht wiederzuholen ist, sondern ein Tag der neugierigen Spannung und des Wartens auf das, was kommt, wenn er wiederkommt.

Glauben wir das heute noch, über 2000 Jahre nach seinem ersten Kommen in diese Welt. Ich gebe zu, auch mir fällt das manchmal sehr schwer, auch mein „Öl“ geht oft genug zur Neige und meine Geduld geht zu Ende. Und doch lohnt es sich, nicht für ein Leben nach dem Tod, sondern für das hier und jetzt, diesen Gedanken nicht aufzugeben. Denn er besagt: Am Ende wird alles gut. Und wenn es nicht gut wird, ist es nicht das Ende.

In diesem Sinn wünsche ich euch allen eine gute Woche, und bitte, bleibt alle gesund.

 Euer

 P. Gräwe